Das Blutzuckermessgerät FreeStyle InsuLinx im kurzen Praxistest 16


Diabetes-Blutzuckermessgerät-FreeStyle-InsuLinxVorweg sei gesagt, dass ich seit vielen Jahren zufriedener Nutzer von Abbott-Blutzuckermessgeräten bin. Aktuell benutze ich das FreeStyle Mini und bin damit absolut happy.

Da aber das Mini inzwischen schon etwas in die Jahre gekommen ist, und mein Vorrat an eingelagerten Mini-Messgeräten langsam zu Ende geht, bin ich aktuell auf der Suche nach einem Nachfolger. Da ich – wie gesagt – mit Abbott bisher sehr zufrieden bin, schaute ich mir auch das FreeStyle InsuLinx genauer an.

Verarbeitung
Was gleich nach dem Auspacken des Messgerätes auffällt: Es ist deutlich größer als das Mini und wirkt leider von der Verarbeitung her nicht so toll. Die Größe entschuldige ich damit, dass das Messgerät über ein Touch-Display verfügt. Das Touch-Display ist eine gute Idee und gibt einen Pluspunkt. Aber dann kommt der erste negative Aspekt, die Verarbeitung. Zum einen wurde sprödes Plastik verwendet, was einen minderwertigen Eindruck hinterlässt. Der wird auch dadurch verstärkt, dass meine Version spürbar scharfe Kanten aufweist. Zum anderen ist der Ein- und Ausschalter am Gerät irgendwie lieblos mit viel Spiel montiert worden. Das hat den negativen Effekt, dass der Schalter im Gehäuse klappert. Und dann kommen wir zum Batteriedeckel. Ich habe in über 20 Jahren Diabetes so etwas noch nicht gesehen. Der Deckel ist so ungeschickt montiert, dass bei jedem zweiten Versuch, das Messgerät aus meiner Hosentasche zu holen, dieser besagte Deckel wegsprang. Natürlich folgten ihm die beiden Knopfzellen eine nervige und absolut unnötige Situation. Das ist ein dicker Minuspunkt. Im FreeStyle Libre hat man das Problem mit dem Batteriedeckel dahingehend gelöst, das man dort einfach einen Akku fest eingebaut hat 🙂
Der
Bedienung
Kommen wir zur Bedienung. Mit einem kurzen Druck auf den einzigen Schaltknopf am Gerät meldet sich das Messgerät nach ca. 2 Sekunden. Dabei fällt einem sofort das sehr dunkle Display auf. Also gleich mal die Hintergrundbeleuchtung eingeschaltet, und doch wurde es leider nicht wirklich Licht also heller. Das Display ähnelt einer Schwarz-Weiß-Anzeige oder besser einer Monochrom-Darstellung und die Hintergrundbeleuchtung ist sehr schwach ausgefallen. Ich habe noch keine Probleme mit den Augen, hatte aber trotzdem schon so meine Schwierigkeiten, das Display gut abzulesen. Für Menschen mit Augenproblemen ist das Messgerät meiner bescheidenen Meinung nach nicht geeignet: da gibt es deutlich bessere Anzeigen in anderen Messgeräten.

Einmal eingeschaltet kann man mit einem Touch auf dem Display – oder besser auf das Tagebuchsymbol – die vorhandenen Messwerte sehen. Leider zeigt das Messgerät nicht, wie bei anderen Messgeräten der Firma Abbott gewohnt, den aktuellen Durchschnitt der Messwerte an. Beim Überfliegen der Anleitung habe ich auch keinen Hinweis darauf finden können, ob es das überhaupt in diesem Messgerät gibt. Ein Pluspunkt ist aber, dass das Messgerät eine Beleuchtung für die Öffnung des Messstreifens hat. Diese Beleuchtung ist – im Gegensatz zur Hintergrundbeleuchtung – wiederum hell genug.
Das Messgerät InsuLinx eingeschaltet
Blutzuckermessung
Der Messvorgang ist recht unspektakulär: Streifen rein, Messgerät schaltet sich ein und fordert per Animation auf, den Blutstropfen dem Messstreifen zuzuführen. Das Messergebnis ist dann etwa 5 Sekunden später auf der Anzeige erkennbar. Für die erweiterte Funktion mit der Insulinberechnung benötigt man einen Freischaltcode. Diesen erhalten Sie von Ihrem Hausarzt nach entsprechender Einweisung in diese sehr spezielle Funktion. Ich selber kann mir nicht vorstellen, wie das mit der Insulinberechnung funktionieren soll. Bei mir sind die Werte fast jeden Tag leicht anders, sodass ich auch fast jeden Tag etwas mehr oder weniger Insulin spritzen muss. Tja, und woher soll das Messgerät wissen wie ich mich heute fühle und mein Körper so drauf ist!? Also – für mich ist diese Funktion kein Mehrwert, aber das ist Ansichtssache und muss jeder für sich selber entscheiden. Für den Datenexport steht am Messgerät eine USB-Schnittstelle zur Verfügung.

Zubehör
Beim Zubehör ist das inzwischen übliche Beiwerk mit dabei. Also eine kleine Tasche, eine Stechhilfe und ein paar passende Lanzetten dafür. Und eine kleine gedruckte Anleitung wird auch mitgeliefert.
Die mitgelieferte Stechhilfe ist klein und funktioniert – mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

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Fazit
Angesichts dessen, was ich bisher von der Firma Abbott an Qualität gewohnt war, kann ich sagen, dass ich von dem FreeStyle InsuLinx sehr enttäuscht bin. Die Idee einer Touch-Bedienung a‘ la Handy ist sicherlich der richtige Weg, wurde aber hier nur sehr halbherzig umgesetzt. Besonders die nicht optimale Verarbeitung und das schwache Display trüben das Gesamtbild deutlich ein. Liebe Firma Abbott, eine schöne bunte Verpackung macht noch kein tolles Messgerät. Was mich persönlich auch sehr enttäuscht hat ist, dass ich aufgefordert wurde, meine Meinung zu dem Messgerät zu äußern. Auf diese Meinung hin habe ich bis heute keine Reaktion erhalten. Heißt das, dass Meinung zwar erwünscht ist aber bitte keine Kritik? Wenn dem so ist, finde ich das sehr schade. Wenn ich in den letzten 10 Jahren auf kritische Kommentare hinsichtlich meiner Diabetes Software SugarBook so reagiert hätte, dann hätte ich das Projekt schon vor langer Zeit einstellen müssen.

Ich hoffe an dieser Stelle sehr, dass die Firma Abbott sich künftig mehr auf Ihre alten Tugenden besinnt und mich beim nächsten Blutzuckermessgerät wieder mal positiv überrascht.

Was sind eure Erfahrungen mit dem FreeStyle InsuLinx?

Bin ich vielleicht etwas zu hart in meiner Beurteilung?

Weiter Informationen zum FreeStyle InsuLinx und der Firma Abbott findet Ihr hier.


16 thoughts on “Das Blutzuckermessgerät FreeStyle InsuLinx im kurzen Praxistest

  • Antwort
    Otto65

    Danke Lars für den Testbeitrag! Genau die hier erwähnten Gründe haben mich zu Umtausch des Teils gebracht. Freut mich zu lesen, das der blöde Bateriedeckel und das dunkle Display nicht nur mich nerven oder besser genervt haben 🙂

  • Antwort
    axel

    also ich für mein teil bin top zufrieden mit dem gerät dank der richtigen einstellung bin ich in 8 wochen von eim hbac von 10 aug 5,5 runter das gerät ist top ein muss für jeden insolinpflichtigen diabätiker

    • Antwort
      Lars Lakomski Beitragsautor

      Vielen Dank für Deinen Kommentar, und es freut mich sehr Axel, dass Du Deinen HbA1c so stark gesenkt hast. Allerdings gilt es beim HbA1c aufzupassen, das der – wie sagt mein Arzt immer – Wert nicht besser ist als bei einem gesunden nicht Diabetiker. Hier ein schöner Beitrag zu diesem Thema. Axel, ich wünsche Dir allzeit gute Werte! VG Lars

  • Antwort
    Ralf Yamamoto

    Ich lebe in Japan benutze das Insulinx nach vielen Problemen, an eines zu kommen, nun seit rund 2 Wochen. Okay, mag das Display auch nicht das Gelbe vom Ei sein, es bietet einige Funktionen, die die in Japan erhältlichen Messgeräte NICHT bieten, Eingabe IE und BE zum Beispiel.
    Allerdings gibt es ein paar Dinge, die mir absolut nicht gefallen: Unmittelbar vorm Essen, wenn die Suppe also schon vor einem auf dem Tisch dampft, einen BZ, der unterhalt der im Gerät gespeicherten und anscheinend nicht änderbaren Hypo-Grenze liegt und man kann nichts mehr eingeben. Das ein geschulter Diabetiker auf die Idee kommen könnte, zur normalen Mahlzeit mal ein, zwei BE mehr zu essen oder weniger Insulin zu geben, scheint Abbott nicht gekommen zu sein.
    Ein weiterer Schwachpunkt stellt in meinen Augen die Software Auto-Assist 2.0 dar. Ja, die Daten werden lustig dargestellt, aber eine nachträgliche Eingabe von relevanten Daten, Bewegung, mal eine Zwischenmahlzeit, oder auch die Daten, die man auch bei zu tiefen Werten eingeben sollte, ist nicht möglich. Die Software für mein Freestyle Flash, wie man es hier in Japan nennt, erlaubt mir diese Option, allerdings arbeiten die beiden Programme nicht zusammen. Es ist also nicht möglich, die mit der einen Software eingelesenen Daten mit der anderen zu bearbeiten.
    Dies wäre eigentlich ein Grund, die Benutzung des Gerätes wieder einzustellen, aber da ich hier in Japan keine andere Alternative habe, werde ich das Gerät wohl weiter benutzen müssen.

    • Antwort
      Lars Lakomski Beitragsautor

      Danke Ralf für Deinen Eintrag. Ja manchmal verstehe ich auch nicht warum so manche seltsame Design-Entscheidung in der Entwicklung von Messgeräten oder auch bei Pens so getroffen wurde. Gerade wenn man sieht wie viel Geld zum Beispiel die Insulin-Industrie jedes scheffelt, ist es schon eine Frechheit, welche minderwertigen und völlig innovationslose Pens einem angeboten werden 🙁

  • Antwort
    Thomas Hildebrandt

    Ist ja schon ein paar Monate her seit dem letzten Eintrag, vielleicht hat Abbott das Insulinx etwas überarbeitet, jedenfalls habe ich nicht das Problem mit dem Batteriefach. Der Ein-/Ausknopf klappert allersings immer noch.
    Ich würde es ein gelunges Gerät nennen, wenn da nicht das Problem mit dem Touchscreen wäre. Ein wenig schwache Lichtverhältnisse oder starke Lichteinstrahlung und man sieht nichts mehr. Da hilft dann auch bei Dämmerung oder ähnlichem kein beleuchteter Teststreifenschacht, wenn das Display selbst mit „Beleuchtung“ kaum lesbar ist. Hätte man das Insulinx nicht etwas dicker gestalten können, dafür ein Farbdisplay und grössere Batterien. Man muss sich ja nur das Freestyle Libre ansehen. Die zwei sehen doch fast wie eineiige Zwillinge aus, nur dass das Libre Display genau das hat, was man beim Insulinx vermisst.
    Das man bei der Zielbereichseinstellung nicht unter 70 kann, ist einerseits der Sicherheit geschuldet, denn darunter gehts in den Unterzucker und einige Diabetiker merken/spüren keine Symptome mehr, andererseits, wie Ralf schon schrieb, ein versierter Diabetiker….
    Als Software teste ich gerade dazu den Freestyle CoPilot, der so schlecht nicht ist, vergleicht man ihn mal mit so manch anderer kostenloser Diabetes Management Software Dreingabe, anderer Firmen, die nur rudimentär vorhanden ist. SiDiary ist allerdings einen kostenlose Alternative, die wirklich top ist und fast alle Messgeräte einlesen kann, so auch das Insulinx. Wen der Werbescreen stört, der kann sie abonieren oder kaufen. Bei mir war eine Vollversion beim pendiq dabei.

    • Antwort
      Lars Lakomski Beitragsautor

      Danke Thomas für Deinen Kommentar. Das mit dem Batteriefach hat sich zumindest beim Libre erledigt, dort ist jetzt ein Akku fest verbaut. Aber selbst wenn das Display jetzt im Libre besser ist als im InsuLinx, für rund 60,- Euro kann man eigentlich noch mehr erwarten, aber Abbott nutzt an dieser Stelle auch ein wenig die noch vorhandene Exklusivität aus um die Entwicklungskosten schneller wieder reinzuholen. Besonders der Touch auf der Plastikoberfläche wirkt auch auf dem Libre extrem billig und funktioniert auch nicht immer zuverlässig. Aber ich sitze gerade an einem ausführlichen Beitrag zum Libre, in dem ich meine Erfahrungen über 4 Wochen hinweg genauer schildern werde. VG Lars

  • Antwort
    Thomas Hildebrandt

    Da bin ich gespannt, denn das steht auf meiner Wunschliste, muss nur noch meine Krankenkasse überzeugen. Sollte allerdings nicht so schwer sein, die aktuellen motlichen Kosten für Teststreifen und Stechhilfe liegen bei 150% des Preises für 2 Semsoren.

    • Antwort
      Lars Lakomski Beitragsautor

      Na ja Thomas, die 150% Kosten relativieren sich aber etwas, weil Du im Moment ja noch nicht zu 100% auf den Sensor setzen kannst. Zum einen weil die Sensoren zuweilen einfach mal ausfallen und dann sind je nachdem wann er ausfällt einige Tage mit Streifen zu überbrücken. Zum anderen kann ein Sensor quasi von einer Sekunde auf die andere seine ursprüngliche Kalibrierung verlieren und dann musst Du auch erst mal wieder mit Streifen eine bestimmte Zeit gegenmessen. Das ist auch der Grund warum die Kassen im Moment noch so zögerlich sind mit der Kostenübernahme, die wollen halt keine doppelten Kosten haben. Bei mir ist es aktuell so, dass die TK, wenn ich nur morgens, mittags und abends eine Kontrollmessung mit Streifen mache, ca. 30% der bisher angefallenen Kosten sparen würden. Und klar, meine Finger werden auch noch etwas geschont 🙂 Langfristig hoffe ich natürlich, das ich mit maximal einer Kontrollmessung pro Tag auskomme. Aber auf jeden Fall ist der Libre endlich mal eine richtige und bezahlbare Alternative gegenüber der normalen BZ-Messung. VG Lars

      • Antwort
        Thomas Hildebrandt

        Gut, im Moment schlagen 300 Teststreifen oder 6 Testkasseten á 50 Tests und Lanzetten von ca. 20€ monatlich zu Buche, das sind etwas über 180€. Selbst wenn ich dann trotzdem im Monat 100 Testsreifen benötige, sind im Vergleich zu vorher 110€ über, also sind die Mehrkosten für meine Lebensqualität eher gring. 300 mal im Monat die Stechhilfe in die Fingerspitzen jagen ist auf Dauer sehr schmerzhaft.
        Was mich eher besorgt sind die doch vermehrt auftretenden Berichte von Hautunverträglichkeiten des Sensors (z.B. im Insuliner 111), allerdings haben andere wieder gar kein Problem.
        Na, ich warte mal Deinen Bericht ab, bin schon gespannt. 😉

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